Keimhemmung im Kartoffellager mit 1,4SIGHT

Die Ernte der Lagerkartoffeln steht unmittelbar bevor – höchste Zeit sich dem Thema Keimhemmung zuzuwenden.

Der Wirkmechanismus von 1,4SIGHT

Der Wirkstoff von 1,4SIGHT (1,4Dimethylnaphthalin (DMN)) erhöht die Produktion von Proteinen, die die Keimruhe fördern. Dieser Prozess läuft am stärksten zu Beginn der Lagerperiode ab und hat im Vergleich zu bisherigen Verfahren positive Effekte auf die Minimierung von Respiration, Schrumpfung und Gewichtsverlusten. Zur Nutzung dieses positiven Effektes, um ein Plus an verkaufsfähiger Ware zu haben, ist die Erstanwendung mit 1,4SIGHT auch nach der Vorbehandlung mit Maleinsäure im Feld so früh wie möglich vorzunehmen.

Was bedeutet Keimruhe für die Kartoffel?

Der gesamte Stoffwechsel der Knollen wird runtergefahren:

  • Es wird weniger CO2 veratmet – die Knollen liegen „ruhig“
  • Es wird weniger Stärke in Zucker (die Energiequelle für Stoffwechselvorgänge und Keimprozesse) umgewandelt
  • Die Folge: weniger Masseverluste – weniger Druckstellen

Vorbereitung auf die erste Anwendung mit 1,4SIGHT

Ohne die Vorbehandlung mit Maleinsäure im Feld:

  1. Die eingelagerten Kartoffeln in den ersten Tagen so schnell wie möglich abtrocknen.
  2. Temperaturen: In der ersten Nacht möglichst auf unter 15°C kühlen (falls bei hohen Temperaturen gerodet). In Abhängigkeit von der Abtrocknung in den nächsten Tagen die Temperatur in moderaten Schritten (0,3-0,5°C/Tag) auf 12°C abkühlen und dort halten, bis die Wundheilung abgeschlossen ist. Langsames Abkühlen reduziert dabei Temperatur-schwankungen im Lager.
  3. 7-10 Tage nach Beendigung der Einlagerung die 1. Anwendung mit 20 ml/t 1,4SIGHT. Die Kartoffeln müssen bis dahin abgetrocknet, die Wundheilung nicht abgeschlossen sein.
  4. Nach Abschluss der Wundheilung die Lagertemperatur langsam auf die Zieltemperatur absenken. Die Öffnungszeiten der Lüftungsklappen für die Frischluftzufuhr zum Herunterkühlen dabei so kurz wie möglich halten. Eine gleichmäßige Lagertemperatur ist hierbei entscheidend um Kondensationseffekte zu vermeiden.                   Diese Phase stellt einen Kompromiss dar, zwischen den Notwendigkeiten den Kartoffelstapel abzukühlen und die Konzentration an 1,4SIGHT nicht zu stark abzusenken. Aufgrund seiner Flüchtigkeit wird ein kleiner Teil des Wirkstoffs mit jeder Frischluftzufuhr „rausgelüftet“. Läger mit mechanischer Kühlung sollten diese unbedingt zur Abkühlung nutzen, um den Verlust an 1,4SIGHT durch das Öffnen der Klappen zu minimieren.

Mit der Vorbehandlung mit Maleinsäure im Feld

  1. Die eingelagerten Kartoffeln in den ersten Tagen so schnell wie möglich abtrocknen.
  2. Zu den Temperaturen siehe oben.
  3. Die Vorbehandlung mit Maleinsäure im Feld hat zwei große Vorteile:                  A: Kartoffeln in großen Lägern mit langen Einlagerungszeiträumen sind von Beginn an keimgehemmt.                                                                                                                                                      B: die Kartoffeln sind bis zum Erreichen der Zieltemperatur und vor dem ersten Einsatz von 1,4SIGHT
  4. Keimhemmung mit 15-20 ml/t 1,4SIGHT nach Erreichen der Zieltemperatur, spätestens 4 Wochen nach Beendigung der Einlagerung.

Vorteile der „Doppelstrategie“ Maleinsäure + 1,4SIGHT

  1. In den ersten Wochen der Lagerung sind die für die Keimruhe verantwortlichen Proteine aktiv und durch 1,4SIGHT
  2. 1,4SIGHT verzögert den Abbau der Maleinsäure in den Knollen. Beide Wirkstoffe haben einen positiven, synergistischen Einfluss auf die Keimruhe, der sich durch geringere Atmungsverluste und Einsparpotential beim Mitteleinsatz im Langzeitlager auszeichnet.

Checkliste für den Einsatz von 1,4SIGHT

  1. Lager dicht, alle Klappen geschlossen – bei undichten Lägern ist aufgrund seiner Flüchtigkeit mit Mittelverlust zu rechnen.
  2. Kühlung 12 Stunden vor der Anwendung ausschalten – die Stapel- bzw. Knollentemperatur muss der Temperatur der Raumluft angeglichen werden, um Kondensation im Lager zu vermeiden. Kondensiertes Produkt ist unwirksam und kann auf der Knolle zu Nekrotisierungen oder gar Fäulnis führen.
  3. 15 Minuten vor Beginn Umluft einschalten, um den Luftstrom herzustellen.
  4. Die Lüfterkapazität während und nach der Anwendung auf maximal 50 % einstellen (sofern möglich) – die Luft soll das Lager und die Kartoffeln so langsam wie möglich durchströmen; das reduziert Kondensationspunkte.
  5. Heißvernebler (Benzinnebler und Elektrofogger) warmlaufen lassen, Mittelzufuhr erst in das erhitzte Rohr, um Tröpfchenbildung zu vermeiden.
  6. Nach Beendigung des Heißvernebelns die Umluft 15-30 Minuten aufrechterhalten, bis sich der Nebel gesetzt hat.
  7. Anschließend die Lüftung ausschalten und das Lager (24)-48 Stunden komplett geschlossen halten.
  8. Danach bedarfsgerecht weiterlüften und Kühlen.

Schlussbemerkung

Arbeiten Sie mit der Frischluftzufuhr so viel wie nötig (Stichworte: CO2 – Abführung und Temperatur-regelung) – und so wenig wie möglich; damit halten sie die Verlustraten des Wirkstoffs so gering wie möglich. Eine Unterflur-CO2-Absaugung ist hilfreich, um den Austausch mit Frischluft zu minimieren.

Fabian Frings
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